Kastration

Praxisinformation für die Kunden der Kleintierpraxis Dr. med. vet. Robert Heimes

Kastration (auch Sterilisation genannt) - weshalb und wann?

Es ist immer noch eine traurige Tatsache, dass die Zahl der jedes Jahr geborenen Hunde- bzw. Katzen-Welpen weitaus größer ist als die Anzahl von guten Plätzen, die für sie gefunden werden können. Das Ergebnis von diesem Missverhältnis ist, dass Tausende gesunder Tiere getötet werden und viele weitere sich einfach selbst überlassen bleiben. 
Indem Sie Ihr Tier kastrieren lassen, helfen Sie nicht nur, diese Zahl zu verringern, es handelt sich auch um die einfachste, sicherste und praktischste Methode, die Gesundheit und das Wohlergehen Ihres Tieres sicherzustellen.
Was geschieht während einer Kastration?
Beide, sowohl die Kastration des männlichen Tieres als auch die des weiblichen, sind Operationen, die eine Vollnarkose erfordern. Ihr Tier muss vor der Operation über Nacht fasten, um das Risiko von Narkosezwischenfällen zu verringern. Insgesamt sind Komplikationen bei diesen chirurgischen Eingriffen jedoch sehr unwahrscheinlich, weil wir sie schon hundertemale durchgeführt haben und das Praxisteam über eine große Routine verfügt.
Die Kastration der Hündin bzw. der Katze wird häufig auch als "Sterilisation" bezeichnet, was medizinisch jedoch nicht korrekt ist, weil bei der Kastration die Keimdrüsen (Hoden oder Eierstöcke) entfernt werden, bei der Sterilisation nur unterbunden.
Beim Rüden bzw. Kater  werden zur Entfernung der Hoden mit einem relativ kleinen Schnitt die Hodensäcke eröffnet, die Hoden vollständig entfernt und die Wunde wieder vernäht. Außer beim Kater, hier wird in der Regel nicht genäht.  In fast allen Fällen ist kein Verband notwendig und als Wundbehandlung genügt in aller Regel regelmäßiges eincremen bis zum Fädenziehen.
Bei der Hündin ist der Schnitt (in der Bauchmitte) etwas größer, weil Gebärmutter und beide Eierstöcke entfernt werden. Die Wunde wird abschließend in mehreren Etagen genäht und u.U. durch einen leichten Verband geschützt.

Was sind die Vorteile einer Kastration?
Rüde:   Eine Operation ersetzt keine Erziehung, aber einige unkastrierte Rüden entwickeln mit Erlangen der Geschlechtsreife bestimmte unerwünschte Verhaltensweisen, wie z.B. aggressives Verhalten anderen Hunden oder sogar Menschen gegenüber, was bei kastrierten Rüden so gut wie nie vorkommt. Es gibt außerdem gesicherte Hinweise darauf, dass kastrierte Rüden später seltener ( so gut wie nie ) an Erkrankungen der Prostata leiden.
Hündin:   Die Kastration beendet die Blutung, die mit jeder Läufigkeit verbunden ist und verhindert Änderungen im Verhalten der Hündin. Zu den häufigsten Erkrankungen unkastrierter Hündinnen gehören vor allem Mammatumore, die durch übermäßige Scheinschwangerschaften entstehen und meist Östrogen abhängig sind und die Gebärmutterentzündung bis hin zur Pyometra. Ob die Hündin vor der ersten Läufigkeit kastriert wird, oder nach 1. bzw. 2. Hitze,  die Häufigkeit von Gesäuge-Krebs wird drastisch gesenkt bzw. geht gegen null.

Kater: Ein unkastrierter Kater, der hauptsächlich in der Wohnung gehalten wird, beginnt nach Eintritt der Geschlechtsreife,  die Wohnung mit sehr unangenehmen Gerüchen zu markieren. Um dies zu verhindern, hat es sich schon seit Jahrzehnten eingebürgert, einen Kater mit ca. 6 – 8 Monaten kastrieren zu lassen.

Katze: Eine Katze leidet unter der Tatsache der provozierten Ovulation, d.h., es kommt bei der Katze nur zum Eisprung, wenn sie beim Kater war. Bei einer in der Wohnung gehaltenen Katze kommt dies i.d.R. nicht vor und deshalb wird sie in aller Regel dauerrollig. Dies führt zu Zysten auf den Eierstöcken und gleichen Problemen wie bei der Hündin.

Wann sollte mein Tier kastriert werden?
Über die Wahl des richtigen Zeitpunktes gibt es sehr unterschiedliche Meinungen, so operiert man in den USA oder in England schon Welpen ab der 8. Lebenswoche. Wir raten demgegenüber dazu, die Geschlechtsreife erst eintreten zu lassen, was beim Rüden mit ca.  8 bis 12 Monaten, bei der Hündin mit der ersten Läufigkeit der Fall ist.

Beim Kater mit ca. 7 Monaten und bei der Katze nach der ersten Rolligkeit.

Kann es für eine Kastration zu spät sein?
Es gibt kein Höchstalter für die Kastration, allerdings stellen sich dann einige Vorteile der Kastration - wie Minderung der Aggressivität, Senkung der Häufigkeit von Gesäugetumoren usw. - eventuell gar nicht oder sehr viel später ein.
Ist die Kastration gefährlich?
Alle Operationen, die eine Vollnarkose erfordern, beinhalten ein gewisses Risiko. Im Allgemeinen ist das Risiko einer Narkose sehr gering.

Selbstverständlich können wir vor jeder Operation eine Blutuntersuchung durchführen, um das Narkoserisiko noch weiter zu minimieren.

Macht die Kastration mein Tier dick und faul?
Die Kastration hat auf die Lebensweise Ihres Tieres keine andere deutliche Auswirkung, als dass sie das Geschlechtsverhalten löscht. Bei artgerechter Bewegung wird Ihr Tier nicht dick werden. Allerdings gibt es Tiere, die nach der Kastration das gewohnte Futter besser verwerten, u.a., weil sie einen niedrigeren Gesamtbedarf haben. Das Futter sollte dann in Menge oder Zusammensetzung den veränderten Gegebenheiten angepasst werden, auch hier beraten wir Sie gern.

Sollte meine Hündin wenigstens einmal Welpen bekommen?
Es ist ein Ammenmärchen, dass eine Hündin in ihrem Leben einen Wurf haben muss. Ihre Hündin wird das Muttersein nicht vermissen, wenn sie es nicht kennt. Im Wolfsrudel bekommt in der Regel auch nur eine Wölfin Junge, alle anderen nicht.

Ist dieser Eingriff nicht völlig gegen die Natur?
Selbstverständlich gibt es keine "natürliche" Operation, aber mit der Verhinderung der Läufigkeit unternehmen wir auch nichts gegen die Natur: der Zyklus der Hündin unterscheidet sich sehr erheblich vom Zyklus der Frau: Die Hündin wird im Allgemeinen nur zweimal im Jahr läufig, zwischen diesen Läufigkeiten sind ihre Hormone eine Zeit lang nicht aktiv. Mit der Operation wird der Zustand dieser hormonellen Inaktivität lediglich bis an das Lebensende verlängert, für die Hündin also ein sehr natürlicher Zustand. Den Zustand des Klimakteriums gibt es bei unseren Tieren nicht. Man kann ihn also auch nicht erzeugen.

Ein Rüde hat i.d.R. ein ständiges sexuelles Verlangen. Durch die Kastration wird er nicht mehr verlangen, was er sowieso nicht bekommen kann. Er wird deshalb schon wesentlich ausgeglichener. 

Auch der Kater wird anhänglicher und unternimmt nicht so große Touren. Dabei werden Kater häufig überfahren oder sie verletzen sich durch Rangkämpfe oder ähnlichem. Ein unkastrierter Kater könnte in 10 Jahren für 10.000de Nachkommen sorgen.

Eine unkastrierte Katze wird in Freiheit unweigerlich zur Wurfmaschine und sorgt lediglich für ein ständig wachsendes nicht zubeherrschendes Katzenelend.

Falls Sie noch Fragen haben, beraten wir Sie gerne!

Das Team der Kleintierpraxis Dr. med. vet. Robert Heimes