Kaninchen

 

Kaninchen - Tipps zur Anschaffung, Haltung und Fütterung

Biologie

Kaninchen gehören zu den Lagomorpha (Hasentiere) und unterscheiden sich von den Nagetieren (wie z.B. Meerschweinchen, Hamster) durch ein zweites Schneidezahnpaar im Oberkiefer. Genau wie bei den Nagetieren wachsen auch beim Kaninchen die Zähne lebenslang und behalten die richtige Länge durch regelmäßige gegenseitige Abnutzung. Die heutigen Hauskaninchen stammen vom Europäischen Wildkaninchen ab. Durch Domestikation der Wildkaninchen und gezielte Zuchtauswahl sind inzwischen weit über 100 verschiedene Kaninchen-Rassen entstanden.

Anschaffung

Ein oder mehrere Kaninchen?

Kaninchen sind gesellige Tiere und fühlen sich zu zweit oder in der Gruppe sehr viel wohler, als wenn sie alleine gehalten werden. Weder ein Meerschweinchen noch der Mensch kann Ihnen die Gesellschaft durch ein anderes Kaninchen ersetzen. Am besten verstehen sich Wurfgeschwister, wobei man ein weibliches Tier (Häsin) und ein männliches Tier (Rammler) nehmen sollte. Wichtig ist, den Rammler rechtzeitig kastrieren zu lassen, um keinen unerwünschten Nachwuchs zu bekommen. Kaninchen werden zwischen der 16. und 24. Lebenswoche geschlechtsreif. Die Kastration des männlichen Tieres sollte daher ca. zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat erfolgen.

Wo kaufe ich mein Kaninchen?

Am besten kauft man das Kaninchen in einem guten Zoofachgeschäft oder direkt vom Kaninchenzüchter in einem Alter von 7-8 Wochen. Besonders ist darauf zu achten, ein gesundes Tier zu kaufen mit folgenden Merkmalen: glattes, glänzendes Fell, keine kahlen Stellen, klare Augen ohne Ausfluss, saubere Ohren, korrekte Zahnstellung (kein Speicheln), saubere, trockene Analregion. Die Tiere sollten sich munter und lebhaft/neugierig verhalten.

Welches Zubehör brauche ich für mein Kaninchen?

  • 1.      Käfig mit einer Größe von mindestens 90x60x60 cm, besser natürlich größer, bei 2 Tieren mind. 115x65x60 cm.
  • 2.      Häuschen aus Kunststoff oder Holz (Holz ist schlechter zu reinigen) mit einem Flachdach, da Kaninchen sich gerne verstecken, aber auch bevorzugt auf dem Häuschen etwas erhöht sitzen.
  • 3.      Futternapf aus Steingut oder Keramik (mind. 17 cm Durchmesser mit 2-3 cm hohem Rand, damit das Futter sauber und trocken bleibt) und eine Wasserflasche mit Kugelventil (Nippeltränke) sowie eine Heuraufe.
  • 4.      Einstreu: am besten geeignet ist eine Unterlage aus Weichholzspänen und darüber eine dicke Lage Stroh.
  • 5.      Ecktoilette für den Käfig: Kaninchen benutzen oft eine Ecke des Käfigs als Toilette. Im Zoohandel kann man sogenannte Ecktoiletten kaufen. Das erleichtert die Reinigung des Käfigs.
  • 6.      Für den Auslauf in der Wohnung, im Gehege oder auf dem Balkon sollten sie eine zusätzliche Toilette (kleine Katzentoilette mit Streu gefüllt) bereitstellen.
  • 7.      Kamm und Bürste für die Fellpflege, Krallenzange zum Krallenschneiden.
  • 8.      Transportbox: Um ihr Kaninchen gefahrlos nach Hause oder bei Gelegenheit zum Tierarzt transportieren zu können, empfiehlt sich eine Kunststofftransportbox, die sich oben und an der Seite öffnen lässt und im Zoofachhandel als Katzentransportbox erhältlich ist.
  • ·  Haltung und Pflege
  • Wo ist der beste Platz für den Käfig?

    Kaninchen mögen es hell und ruhig (nicht im gleichen Raum wie die Stereoanlage oder der Fernseher) bei Temperaturen von 12°C bis 22°C. Auf keinen Fall sollten sie an der Heizung oder in der direkten Sonne stehen. Zugluft und kalter Boden sind ebenso zu vermeiden.

    Wie gewöhne ich mein Kaninchen an die neue Umgebung?

    Bevor sie das Kaninchen in das neue Heim bringen, sollte der Käfig schon fertig ausgestattet inklusive Streu, Heu und Futter bereitstehen (Fütterung siehe unten). Sobald das Kaninchen in seinem neuen Heim angekommen ist, sollte man es einige Stunden völlig in Ruhe lassen. Fängt das Kaninchen nach einiger Zeit an zu fressen, sich zu putzen und legt sich entspannt in den Käfig, dann ist die erste Phase der Eingewöhnung geschafft.

    Wie gewöhne ich das Kaninchen an mich?

    Kaninchen sind sensible Tiere mit ausgeprägtem Fluchtverhalten. Man sollte sich dem Kaninchen stets ruhig und langsam nähern und dabei leise mit ihm sprechen. Zu Beginn sollte man das Tier an der Hand schnuppern lassen und ihm Leckereien wie Apfel oder Petersilie anbieten. Zeigt das Kaninchen Zutrauen, kann man versuchen, es vorsichtig zu streicheln (über den Rücken und auch auf dem Nasenrücken, aber immer in Fellrichtung) und hinter den Ohren zu kraulen. Hat das Tier nach einigen Tagen (manchmal dauert das Zähmen auch Wochen) Vertrauen gewonnen, so kann man es auch ans Hochheben gewöhnen. Mit der einen Hand greift man in das lockere Nackenfell hinter den Ohren (nie!! an den Ohren) und mit der anderen Hand stützt man beim Anheben sofort das Hinterteil samt Hinterbeinen ab. Sehr kleine Tiere umfasst man dagegen vorsichtig mit beiden Händen und stützt so den ganzen Körper. Nie darf man ein Kaninchen beim Schlafen, Putzen oder Fressen stören. Kinder müssen erst ganz allmählich den richtigen Umgang mit dem Tier lernen. Kleinere Kinder sind nicht in der Lage, ein Kaninchen alleine zu versorgen und bedürfen immer der Anleitung und Aufsicht eines Erwachsenen!

    Was muss ich beim Freilauf beachten?

    Hat sich ein Kaninchen an sein neues Zuhause gewöhnt, so sollte es mindestens 3x täglich für 20 bis 30 Min. Freilauf bekommen. Dafür eignet sich sowohl ein kaninchensicheres Zimmer oder auch im Sommer ein gut gesicherter Balkon (Achtung Kaninchen können z.T. über 1,20 Meter hochspringen) oder ein Gehege draußen (Achtung Kaninchen sind hitzeempfindlich, nicht in die Mittagshitze, immer auch einen schattigen, kühlen Platz anbieten). Im Zimmer müssen sämtliche Kabel, Bücher und Gegenstände, die man nicht von Kaninchenzähnen angeknabbert haben möchte, sowie giftige Zimmerpflanzen außer Reichweite gebracht werden. Der Boden sollte nicht zu glatt sein. Am liebsten laufen und hoppeln die Kaninchen auf Teppich oder Strohmatten oder natürlich draußen auf der Wiese im Gehege. Damit das Kaninchen Beschäftigung beim Freilauf hat, sollte man ihm einen "Abenteuerspielplatz" bauen: z.B. verschieden große, stabile Pappkartons, in die man Öffnungen geschnitten hat, kleine Hürden aus Steinen, ausgehöhlte Baumstämme, Röhrensysteme (ausreichend großer Durchmesser!), Äste von Obstbäumen oder auch mal einen Stapel alter Zeitungen zum Beknabbern und Zerlegen. Manche spielen sogar gerne mit Stofftieren oder Bällen.

    Was ist bei der Haltung eines Kaninchens noch zu beachten?

    Hygiene und Sauberkeit sind sehr wichtig. Täglich sollte Kot und feuchte Einstreu entfernt werden. Einmal pro Woche muss der ganze Käfig komplett ausgeräumt und gesäubert werden.

    Kaninchen setzen neben den kleinen runden Kotbällchen auch noch den sogenannten Blinddarmkot ab, der weicher und klebriger ist. Dieser Kot ist ein spezieller, vitaminreicher Nahrungsbrei, den die Kaninchen wieder auffressen, um die darin aufgeschlossenen Nahrungsbestandteile und Vitamine aufnehmen zu können.

    Einmal am Tag sollte man die Bauchunterseite und die Analgegend des Kaninchens auf Verschmutzungen hin überprüfen. Das ist insbesondere in den warmen Monaten von größter Wichtigkeit, weil sonst Gold- und Schmeißfliegen ihre Eier in Wunden und auf verschmutzte Stellen ablegen, aus denen in kürzester Zeit Fliegenmaden schlüpfen, die den Kaninchen dann schwerste Wunden und Hautnekrosen zufügen.

    Die Krallen sollten regelmäßig kontrolliert werden und bei Überlänge vorsichtig mit einer Krallenschere (aus dem Zoofachhandel) gekürzt werden. Um nicht zu tief zu schneiden, ist es am besten, sich beim ersten Mal vom Tierarzt oder fachkundigen Personal im Zoomarkt zeigen zu lassen, wie weit man schneiden darf.

    Rechts und links neben der Geschlechtsöffnung befinden sich zwei Hauttaschen, die durch das Sekret der Leistendrüsen verkleben können. Diese sollten mindestens 1x pro Woche vorsichtig mit einem Wattestäbchen gereinigt werden.

    Im Frühjahr und Herbst findet ein Fellwechsel statt, Wohnungskaninchen haaren i.d.R. sogar ganzjährig. Kurzhaarige Kaninchen sollten alle 1-2 Wochen gebürstet werden. Langhaarige Kaninchen müssen mehrmals wöchentlich gebürstet werden, da sonst das Fell verfilzt.

     Fütterung

    Oberstes Gebot bei der richtigen Fütterung eines Kaninchens ist: Heu, Heu und nochmals Heu!!!! Die Raufe muss immer mit einem Heu hochwertiger Qualität gefüllt sein. Gutes Heu erkennt man an seinem aromatischen Geruch, der grünlichen Farbe und der Zusammensetzung aus verschiedenen Gräsern mit Blättern, Blüten und Fruchtständen. Niemals darf es schimmelig, feucht oder stark staubig sein! Nur durch die Aufnahme von viel Heu ist das Kaninchen in der Lage, seine ständig nachwachsenden Zähne ausreichend abzunutzen.

    Dazu muss immer frisches Wasser zur Verfügung stehen.

    Trockenfertigfutter sollte morgens gegeben werden und zwar maximal 2-3 Esslöffel/Tier. Beim Kauf des Trockenfutters sollte man darauf achten, dass es möglichst viel getrocknetes Gemüse und Grünpellets und nur wenig Getreide enthält. Wichtig: Kaninchen, die zu dick sind oder sich wenig bewegen, benötigen kein Trockenfutter.

    Abends sollte man Grün- und Saftfutter im Wechsel füttern, wie z.B. Löwenzahn, Möhrengrün, Karotten, etwas Brokkoli, Kohlrabi (Kraut und Knolle), Fenchel, Sellerieknollen, Spinat, Rettich oder Radieschenblätter.

    Als Leckerbissen zwischendurch eignen sich Apfel, ein Stück Birne, Petersilie oder andere Gewürzkräuter wie z.B. Dill, Liebstöckel etc.

    Obst und Gemüse nur frisch und sauber verfüttern, d.h. gut abwaschen und dann abtropfen lassen.

    Frische Zweige (von ungespritzten Obstbäumen, Haselnuss, Erle oder Esche) zum Knabbern sind auch sehr wichtig. Gelegentlich kann man auch ein kleines Stück getrocknetes Brot oder Knäckebrot anbieten.

    Finger weg!!! von Knabberstangen, Drops, Kohl, Kartoffeln, Bohnen und natürlich auch keine Schokolade, Kekse oder Kuchen füttern!

      Krankheiten

    Wie kann ich Krankheiten vermeiden?

    Die meisten Erkrankungen, die in der Praxis vorkommen, gehen auf eine fehlerhafte Haltung oder Fütterung der Kaninchen zurück! Man kann also einen großen Teil der Krankheiten durch optimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen (siehe oben) vermeiden. Zudem sollte man die Tiere impfen (siehe unten), auch wenn sie nur im Haus gehalten werden.

    Woran merke ich, dass mein Kaninchen krank ist?

    Hinweise für eine Erkrankung sind Apathie, schlechte oder keine Futteraufnahme, Zähneknirschen, Augen- oder Nasenausfluss, stumpfes, struppiges Fell, angestrengte Atmung, Speicheln, verklebte Vorderpfoten, Durchfall oder Verstopfung. Sollte das Tier eines der genannten Symptome zeigen oder sich "ungewöhnlich" verhalten, so ist es immer ratsam, den Tierarzt aufzusuchen. Um Zahnerkrankungen frühzeitig zu erkennen, empfiehlt es sich, das Kaninchen 1x pro Woche zu wiegen und das Gewicht zu notieren. Eine schleichende Gewichtsabnahme ist oft Hinweis für ein beginnendes Zahnproblem.

    Welches sind die häufigsten Erkrankungen der Kaninchen?

    Am häufigsten werden Kaninchen mit Zahnerkrankungen (Zahnfehlstellungen oder mangelhafte Abnutzung durch falsches Futter), Magen-Darm-Erkrankungen (Parasiten, Blähungen, Enteritis), Atemwegsinfektionen, Abszessen, Blasenentzündungen und Blasensteinen, Hautkrankheiten (Milben, Pilz) und Tumoren in der Praxis vorgestellt.

    Ganz besonders sei noch einmal auf die Gold- und Schmeißfliegen hingewiesen, die in den warmen Monaten ihre Eier in Wunden und auf verschmutzte Hautpartien der Kaninchen ablegen. In kurzer Zeit schlüpfen daraus die Fliegenmaden, die dem Kaninchen schwere Wunden und Nekrosen zufügen, d.h. sie fressen das Kaninchen langsam auf!!! Sind die Wunden zu tief, so müssen die Kaninchen zum Teil sogar eingeschläfert werden. Deshalb im Sommer mindestens einmal täglich das Kaninchen auf Wunden und Verschmutzungen, speziell in der Analgegend und auf der Bauchunterseite, kontrollieren.

     Impfungen ,

    Gegen zwei Virusinfektionen kann und sollte man sein Kaninchen impfen lassen:

    • 1.      RHD (rabbit haemorraghic disease): Diese auch als Chinaseuche bekannte Virusinfektion (Calicivirus) wird sowohl direkt von Tier zu Tier, als auch indirekt z.B. über kontaminiertes Futter übertragen und führt sehr schnell zum Tod der Tiere. Ist ein Tier erst mal erkrankt, so gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Die vorbeugende Impfung erfolgt 1x pro Jahr.
    • 2.      Myxomatose: Auch hierbei handelt es sich um eine Virusinfektion (Pockenvirus), die durch Insektenstiche verbreitet wird und bevorzugt im Sommer auftritt. Sie beginnt in der Regel mit Schwellungen im Kopf- und Genitalbereich, eitrigen Bindehautentzündungen und breitet sich dann aus. Ist ein Tier erst mal erkrankt, so gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Die vorbeugende Impfung erfolgt 2x pro Jahr.

    Nun wünschen wir Ihnen viel Freude mit ihren Kaninchen!

    Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

    Das Team der Kleintierpraxis Dr. med. vet. Heimes