Chinchilla

Chinchilla –Tipps zur Anschaffung, Haltung und Fütterung

Biologie

Die Gattung Chinchilla stammt aus den Anden und besteht aus zwei Arten, dem Kurzschwanz-Chinchilla und dem Langschwanz-Chinchilla. Beide Arten dienten als Pelzlieferant und sind daher in der freien Natur weitgehend ausgerottet. Das hauptsächlich in Menschenobhut gehaltene Langschwanz-Chinchilla besitzt eine Körperlänge von 25-26 cm, einen langen Schwanz und große Ohren (6 cm). Mit ca. 5-6 Monaten werden die Tiere geschlechtsreif. Das Weibchen bringt nach einer Tragezeit von 108-111 Tagen jährlich zwei bis drei Würfe zur Welt mit ein bis sechs Jungen pro Wurf. Die Lebensdauer liegt bei 15-20 Jahren.

Anschaffung

Ein oder mehrere Chinchillas?

Chinchillas leben in Kolonien mit einem geschlechtsreifen Männchen und mehreren Weibchen. Ideal ist daher auch in der Wohnung die Gruppenhaltung mit einem (kastrierten) Bock und mehreren Weibchen oder mindestens die Haltung eines Chinchilla-Paares, welches aber möglichst schon sehr jung aneinander gewöhnt wurde. Die Haltung eines Einzeltieres ist nicht zu empfehlen, da es mit einem extrem hohen Zeitaufwand verbunden ist, ein einzelnes Tier ausreichend zu beschäftigen, zumal die Chinchillas dämmerungs- und nachtaktiv sind. Auf keinen Fall sollten Chinchillas mit anderen Tierarten vergesellschaftet werden, da dies häufig zu Gesundheitsstörungen der Chinchillas führt.

Wo kaufe ich meine Chinchillas?

Am besten kauft man die Chinchillas in einem guten Zoofachgeschäft oder direkt vom Züchter. Besonders ist darauf zu achten, ein gesundes Tier zu kaufen mit folgenden Merkmalen: glattes, glänzendes Fell, keine kahlen Stellen, klare Augen ohne Ausfluss, saubere Ohren, korrekte Zahnstellung (kein Speicheln), saubere, trockene Analregion. Die Tiere sollten sich munter und lebhaft/neugierig verhalten.

Welches Zubehör brauche ich für meine Chinchillas?

  • · Käfig mit einer Größe von mindestens 100x 60 cm und einer Höhe von 175 cm.
  • · Der Käfig muss mit verschiedenen Etagen (mindestens drei) ausgestattet werden (Chinchillas sind sehr aktive Kletterer und Springer), wobei die Inneneinrichtung aus unbehandeltem Holz, Ton oder unbeschichtetem Metall bestehen sollte.
  • · Ein Holzschlafhäuschen mit einer Größe von 30x25x20 cm muss auf der obersten Etage verankert werden.
  • · Als weitere Verstecke benötigen die Chinchillas Tonröhren mit 10 bis 13 cm Durchmesser. Zudem sollten Kletteräste im Käfig befestigt werden, die monatlich gewechselt werden.
  • · Zur Fellpflege benötigen die Tiere unbedingt ein Sandbad mit speziellem Chinchillasand. Der Sand muss in einer stabilen Schale angeboten werden, die so groß ist, dass sich die Tiere liegend um die eigene Achse drehen können. Auf gar keinen Fall darf normaler Vogelsand genommen werden, da der darin enthaltene Kalk zu Erkrankungen der Chinchillas führt.
  • · Standfeste Futter- und Wasserbehälter sind ebenfalls erforderlich.
  • · Als Einstreu ist Kleintierstreu (Hobelspäne aus unbehandeltem Holz) geeignet.
  • Haltung und Pflege
  • Wo ist der beste Platz für den Käfig?

    Chinchillas mögen es hell und ruhig. Sie sind sehr hitzeempfindlich. Am besten vertragen sie Temperaturen zwischen 10 und 20°C bei geringer Luftfeuchtigkeit. Sie dürfen weder im Luftzug noch im direkten Sonnenlicht stehen. Am besten ist ein wandständiger, geschützter Platz in einem ruhigen Raum, da die Chinchillas tagsüber schlafen.

    Wie gewöhne ich die Chinchillas an mich und die neue Umgebung?

    Bevor sie die Tiere in ihr neues Heim bringen, sollte der Käfig schon fertig ausgestattet inklusive Einstreu, Sandbad und Futter bereitstehen (Fütterung siehe unten). Sobald die Chinchillas in ihrem neuen Heim angekommen sind, sollte man sie einige Stunden völlig in Ruhe lassen. Nach einigen Tagen der Eingewöhnung kann man versuchen, Kontakt zu den Tieren aufzunehmen. Chinchillas besitzen von Natur aus ein freundliches Wesen, so dass man mit Ruhe und Geduld schnell Kontakt zu ihnen bekommt. Dabei sollte aber nie vergessen werden, dass es sich nicht um Schmusetiere handelt. Sie wollen viel lieber laufen und springen. Daher sollte den neuen Mitbewohnern nach der Eingewöhnung auch regelmäßig ein kontrollierter Auslauf in der Wohnung gestattet werden. Dabei darf man die Tiere aber nie alleine lassen, damit sie sich nicht verletzen. Zudem knabbern sie alles an, was sie erreichen können.

    Was ist bei der Haltung der Chinchillas noch zu beachten?

    Generell ist die Haltung von Chinchillas mit einem großen Zeit- und Pflegeaufwand verbunden.

    Hygiene und Sauberkeit sind sehr wichtig. Täglich sollten Kot und feuchte Einstreu entfernt werden und Futter- und Wasserbehälter gereinigt werden. Einmal pro Woche muss der ganze Käfig komplett ausgeräumt und gesäubert werden.

    Die Kletteräste müssen einmal im Monat erneuert werden.

    Einmal am Tag sollte man die Tiere auf Verletzungen und Verschmutzungen hin überprüfen. Das ist insbesondere in den warmen Monaten von größter Wichtigkeit, weil sonst Gold- und Schmeißfliegen ihre Eier in Wunden und auf verschmutzte Stellen ablegen, aus denen in kürzester Zeit Fliegenmaden schlüpfen, die den Chinchillas dann schwerste Wunden und Hautnekrosen zufügen.

    Chinchillas betreiben Zäkotrophie, d.h. sie fressen ihren eigenen Blinddarmkot. Dabei nehmen sie diesen direkt vom Anus auf. Dieser spezielle Kot ist reich an Proteinen und Vitaminen.

    Fütterung

    Die Fütterung der Chinchillas muss mit großer Sorgfalt erfolgen, da Chinchillas einen sehr empfindlichen Magen-Darmtrakt haben. Chinchillas fressen überwiegend abends und nachts. In der freien Wildbahn ernähren sie sich von Steppengräsern, Rinde, Früchten und Blättern.

    Oberstes Gebot bei der richtigen Fütterung eines Chinchillas ist daher ein hoher Rohfaser- und Strukturanteil des Futters (15-32%): Das bedeutet Heu, Heu und nochmals Heu!!!! Heu dienst als Grundfutter. Die Raufe muss immer mit einem Heu hochwertiger Qualität gefüllt sein. Gutes Heu erkennt man an seinem aromatischen Geruch, der grünlichen Farbe und der Zusammensetzung aus verschiedenen Gräsern mit Blättern, Blüten und Fruchtständen. Niemals darf es schimmelig, feucht oder stark staubig sein! Nur durch die Aufnahme von ausreichend viel Heu kann das Chinchilla seinen Rohfaserbedarf decken. Zudem kommt es durch das intensive Kauen zu einem guten Zahnabrieb. Chinchillas besitzen nämlich offene Wurzelkanäle, so dass die Zähne lebenslang nachwachsen und ständig abgerieben werden müssen. Gleichzeitig dient das Heu auch der Beschäftigung der Tiere.

    Da die Chinchillas durch das Heu alleine aber nicht ausreichend Energie aufnehmen können, müssen zusätzlich Chinchilla-Pellets (Zoohandel) gefüttert werden. Davon benötigen die Tiere ein bis zwei Esslöffel täglich. Auf keinen Fall darf man Ihnen Mischfutter anderer Tierarten (Meerschweinchen, Kaninchen) geben. Diese führen beim Chinchilla zu lebensbedrohlichen Verstopfungen.

    Täglich sollte auch eine geringe Menge an Grünfutter angeboten werden, wie z.B. Kräuter, Äpfel, Möhren mit Kraut (ungespritzt!!), Chicoree, Endiviensalat oder Löwenzahn. Eine zu große Menge Frischfutter führt zu Durchfall.

    Frische Zweige (von ungespritzten Obstbäumen, Haselnuss, Ahorn) zum Knabbern und zur Befriedigung des Nagetriebes, sowie gelegentlich auch ein kleines Stück getrocknetes Brot oder getrocknete Äpfel und Hagebutten dienen der Abwechslung und Beschäftigung.

    Frisches Trinkwasser muss stets vorhanden sein.

    Finger weg!!! von Meerschweinchen- und Kaninchenfutter, von Knabberstangen, Drops, Kohl, Kartoffeln, Bohnen und natürlich auch keine Schokolade, Kekse oder Kuchen füttern!

    Krankheiten

    Wie kann ich Krankheiten vermeiden?

    Die meisten Erkrankungen, die in der Praxis vorkommen, gehen auf eine fehlerhafte Haltung oder Fütterung der Chinchillas zurück! Man kann also einen großen Teil der Krankheiten durch optimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen (siehe oben) vermeiden. Zudem sollte man die Tiere ein- bis zweimal im Jahr einem Tierarzt vorstellen.

    Woran merke ich, dass mein Chinchilla krank ist?

    Hinweise für eine Erkrankung sind Apathie, schlechte oder keine Futteraufnahme, Zähneknirschen, Augen- oder Nasenausfluss, stumpfes, struppiges Fell, angestrengte Atmung, Speicheln, verklebte Vorderpfoten, Durchfall oder Verstopfung. Sollte das Tier eines der genannten Symptome zeigen oder sich "ungewöhnlich" verhalten, so ist es immer ratsam, den Tierarzt aufzusuchen. Um Zahnerkrankungen frühzeitig zu erkennen, empfiehlt es sich, das Chinchilla 1x pro Woche zu wiegen und das Gewicht zu notieren. Eine schleichende Gewichtsabnahme ist oft Hinweis für ein beginnendes Zahnproblem.

    Welches sind die häufigsten Erkrankungen der Chinchillas?

    Am häufigsten werden Chinchillas mit Zahnerkrankungen (Zahnfehlstellungen oder mangelhafte Abnutzung durch falsches Futter) vorgestellt. Bei Zahnfehlstellungen bilden sich Zahnhaken und –kanten, welche die Futteraufnahme behindern und zum Teil sogar zu Läsionen in der Maul- und Zungenschleimhaut führen. Ebenso häufig werden Chinchillas beim Tierarzt mit Magen-Darm-Erkrankungen (Parasiten, Blähungen, Enteritis, Verstopfung), Hautproblemen (insbes. bei fehlendem Sandbad) und Blasensteinen (durch überhöhte Kalziumzufuhr durch falsche Fütterung) vorgestellt.

    Nun wünschen wir Ihnen viel Freude mit ihren Chinchillas!

    Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

    Das Team der Kleintierpraxis Dr. med. vet. Robert Heimes